Das CO2-Gesetz: Chancen für die Landwirtschaft

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Bei den momentan herrschenden eisigen Temperaturen können wir uns fast nicht mehr erinnern an die Hitze in den Sommer 2018 und 2019. Weiden sind verdorrt, Kulturen mussten bewässert werden und sogar das Wasser für die Tiere wurde knapp. Waren das Ausnahmen? Oder die neue Realität? Sicher ist, der Klimawandel wird weltweit spürbar und die Schweiz als Alpenland ist davon besonders betroffen.

Hierzulande hat sich die Temperatur seit der vorindustriellen Zeit um rund 2 Grad Celsius erhöht – gut doppelt so viel wie im weltweiten Durchschnitt. Innerhalb der Schweiz ist die Landwirtschaft der Wirtschaftssektor, der vom Klimawandel am meisten betroffen ist. Die heissen, trockenen Sommer haben gezeigt, welch grosse Auswirkungen der Klimawandel auf die produzierende Landwirtschaft hat. Deshalb ist ein wirksamer Klimaschutz enorm wichtig. 

Mit der Totalrevision des CO2-Gesetzes haben wir die Möglichkeit, einen Schritt in die richtige Richtung zu tun. Die Schweiz hat sich im August 2019 selber das Ziel gesetzt, ihre Treibhausgasemissionen bis 2050 auf netto Null zu bringen. Das CO2-Gesetz ist die Basis für diese Zielerreichung. Nun wird behauptet, dass dieses neue Gesetz teuer ist, dass zum Beispiel die Lenkungsabgaben hohe Kosten verursachen und insbesondere den ländlichen Raum treffen. Doch die Idee ist, dass vor allem wohlhabende Personen mit einem hohen Energieverbrauch mehr bezahlen müssen. Zum Beispiel jene, die ständig in die Ferien fliegen. Zudem werden zwei Drittel der CO2-Abgabe sowie mehr als die Hälfte der Flugticketabgabe über die Krankenversicherung und die AHV-Ausgleichskassen an die Bevölkerung und die Wirtschaft zurückverteilt. Die Flugticketabgabe betrifft Vielflieger überdurchschnittlich, 90% der Bevölkerung erhält mehr zurück als sie bezahlen, vor allem diejenigen, die gar nicht fliegen – darunter sind auch viele Bauernfamilien. 

Die Landwirtschaft kann zusätzlich im Rahmen des Kompensationsmechanismus profitieren, beispielsweise mit Biogasanlagen oder den Einsatz von nitrifikationshemmenden Düngerzusätzen. Diese Kompensationsprojekte werden dank des neuen Gesetzes verstärkt gefördert. Ausserdem ist im Gesetz festgehalten, dass die Landwirtschaft ihre Senkenleistungen in Wert setzen kann. Auch die Mittel für die wichtigen Anpassungsmassnahmen kommen dem ländlichen Raum zu Gute. Bei den Berechnungen der Mehrkosten muss die Rückverteilung aus Lenkungsabgaben an die Bevölkerung, die Finanzierung von Kompensationsprojekten und die Unterstützung von Anpassungsmassnahmen also unbedingt miteinbezogen werden.

Die Revision des CO2-Gesetzes ist für die Landwirtschaft eine zusätzliche Chance. Sie ist eine indirekte Förderung erneuerbarer Energien, da ihre Wirtschaftlichkeit verbessert wird und die Nachfrage steigt. Landwirte können gleichzeitig Energiewirte werden. Biogasanlagen, Holz- und Solarenergie werden wirtschaftlich interessant, davon kann und soll die Landwirtschaft profitieren. Denn damit wird sie auch ein Teil der Lösung für den dringend notwendigen Klimaschutz.

Dieser Meinungsbeitrag ist in der «BauernZeitung» erschienen.

Christine Badertscher